Vitamin K – der stille Helfer im Körper
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Vitamin K – der stille Helfer im Körper

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Mariam GhizawiJanuary 24, 2026, 11:14:44 AM GMT+0

Geprüft von Mariam Ghizawi, Diplom in medizinischer Laborwissenschaft (Libanon)

Vitamin K – darüber spricht man kaum, dabei erledigt es jeden Tag einen ziemlich wichtigen Job


Wenn man an Vitamine denkt, kommen meistens zuerst die bekannten Namen. Vitamin C bei Erkältungen, Vitamin D im Winter, vielleicht noch Vitamin B für die Nerven. Vitamin K taucht in solchen Gesprächen fast nie auf. Nicht, weil es unwichtig wäre, sondern eher, weil es still funktioniert. Solange alles läuft, fragt niemand danach.


Dabei ist Vitamin K im Körper ständig beschäftigt. Immer dann, wenn wir uns schneiden und das Blut nach kurzer Zeit aufhört zu fließen, war es beteiligt. Blutgerinnung klingt banal, ist aber ein fein abgestimmter Prozess. Ohne Vitamin K würden einige der dafür nötigen Eiweiße schlicht nicht aktiv werden. Das System würde ins Leere laufen.


Was viele nicht wissen: Vitamin K hört bei der Blutgerinnung nicht auf. Es spielt auch eine Rolle in den Knochen. Bestimmte Proteine, die Calcium im Knochen „festhalten“, brauchen Vitamin K, um überhaupt arbeiten zu können. Das heißt nicht, dass Vitamin K allein Knochen stark macht, aber ohne es fehlt ein wichtiges Zahnrad im Getriebe. Die EFSA beschreibt genau diesen Zusammenhang, ziemlich nüchtern, aber eindeutig.


Dann gibt es noch Vitamin K2, über das in den letzten Jahren etwas häufiger gesprochen wurde. Es kommt vor allem in fermentierten Lebensmitteln vor und in manchen tierischen Produkten. In der Praxis trennt man K1 und K2 im Alltag selten streng, aber die Unterscheidung erklärt, warum grünes Gemüse zwar wichtig ist, aber nicht die einzige Quelle darstellt.


Apropos grün: Wer regelmäßig Spinat, Grünkohl, Brokkoli oder Salat isst, nimmt automatisch Vitamin K auf. Kräuter gehören auch dazu, selbst wenn man sie oft nur nebenbei verwendet. Dazu kommen Käse, Eier und fermentierte Lebensmittel wie Sauerkraut. Ganz interessant ist auch, dass Darmbakterien Vitamin K bilden können. Wie viel davon tatsächlich genutzt wird, ist individuell verschieden, zeigt aber, dass Ernährung und Körper hier enger zusammenarbeiten, als man denkt.


Was die Mengen angeht, bewegen wir uns im Mikrogramm-Bereich. Die DGE spricht von Schätzwerten, nicht von exakt festgelegten Bedarfen. Für Erwachsene sind das ungefähr 60 bis 70 Mikrogramm pro Tag, je nach Geschlecht. Das klingt wenig, ist aber mit normalem Essen gut erreichbar, ohne dass man irgendetwas berechnen müsste.


Ein echter Mangel kommt bei gesunden Erwachsenen selten vor. Es gibt Ausnahmen, etwa bei bestimmten Erkrankungen oder Medikamenten, aber das ist kein Alltagsszenario. Eine Besonderheit gibt es allerdings bei Neugeborenen: Sie kommen mit sehr niedrigen Vitamin-K-Speichern zur Welt. Deshalb ist es medizinischer Standard, ihnen direkt nach der Geburt Vitamin K zu geben. Das ist kein Lifestyle-Thema, sondern eine etablierte Schutzmaßnahme.


Überdosierungen über Lebensmittel gelten als unproblematisch. Bei hoch dosierten Präparaten sieht man das differenzierter, vor allem wenn gleichzeitig Medikamente eingenommen werden, die die Blutgerinnung beeinflussen. Deshalb taucht Vitamin K in offiziellen Empfehlungen oft mit einem etwas vorsichtigeren Unterton auf.


Wenn man all das zusammennimmt, bleibt ein ziemlich unspektakuläres, aber solides Bild: Vitamin K macht keine Versprechen, sorgt nicht für spürbare Effekte und eignet sich schlecht für Schlagzeilen. Es hält Abläufe stabil, Tag für Tag. Und vielleicht ist genau das der Grund, warum man so wenig darüber spricht.

Zusammenfassung

Was ist Vitamin K?

Vitamin K ist ein Vitamin, das der Körper für wichtige normale Abläufe benötigt.


Für was ist es wichtig?

Vitamin K ist an der normalen Blutgerinnung beteiligt und spielt eine Rolle bei der Knochengesundheit.


Wie viel ist empfohlen?

Als Richtwert gelten etwa 60–70 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene.


Was passiert bei Übermengen?

Über Lebensmittel gelten hohe Mengen als unproblematisch. Bei hoch dosierten Präparaten ist Vorsicht empfohlen.


Von wo bekommt man es?

Aus grünem Gemüse (z. B. Spinat, Grünkohl, Brokkoli, Salat), Kräutern, Käse, Eiern und fermentierten Lebensmitteln wie Sauerkraut.

Quellen

(Stand: Januar 2026)

Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Vitamin K

EFSA – Vitamin K und normale Blutgerinnung

World Health Organization (WHO) – Micronutrients

NIH Office of Dietary Supplements – Vitamin K Fact Sheet

Verbraucherzentrale Deutschland – Vitamin K in Lebensmitteln