
Vitamin D – zwischen Sonnenlicht und Ernährung
Geprüft von Mariam Ghizawi, Diplom in medizinischer Laborwissenschaft (Libanon)
Vitamin D nimmt unter den Vitaminen eine Sonderstellung ein. Streng genommen ist es weniger ein klassisches Vitamin als vielmehr ein Hormonvorläufer. Der Körper kann es selbst bilden, was bei Vitaminen eher die Ausnahme ist. Voraussetzung dafür ist Sonnenlicht. Genauer gesagt: UV-B-Strahlung, die auf die Haut trifft. Ohne diesen Prozess wäre es kaum möglich, den Bedarf allein über die Ernährung zu decken.
Bekannt ist Vitamin D vor allem im Zusammenhang mit den Knochen. Das hat einen einfachen Grund. Vitamin D sorgt dafür, dass Calcium aus der Nahrung im Darm aufgenommen und im Körper richtig verwertet werden kann. Ohne Vitamin D bleibt Calcium zu einem großen Teil ungenutzt. Auf Dauer kann das die Knochen schwächen. Bei Kindern kann ein ausgeprägter Mangel zu Rachitis führen, bei Erwachsenen zu Osteomalazie. Diese Zusammenhänge sind seit Langem beschrieben und gehören zum medizinischen Grundwissen.
Weniger greifbar, aber ebenfalls gut untersucht, ist die Rolle von Vitamin D im Immunsystem. Vitamin D wirkt auf verschiedene Immunzellen und ist an deren Regulation beteiligt. Deshalb wird es häufig im Zusammenhang mit Infektanfälligkeit diskutiert. Gesundheitsorganisationen weisen allerdings darauf hin, dass Vitamin D kein Schutzschild gegen Krankheiten ist, sondern Teil eines komplexen Systems. Ein Mangel kann Prozesse stören, eine hohe Zufuhr ersetzt jedoch keine normale Immunfunktion.
Der Körper bildet Vitamin D hauptsächlich in der Haut. In mitteleuropäischen Breitengraden reicht die Sonnenstrahlung dafür allerdings nicht das ganze Jahr aus. Vor allem in den Wintermonaten ist die körpereigene Produktion stark eingeschränkt. Das ist einer der Gründe, warum Vitamin D hierzulande regelmäßig Gegenstand von Untersuchungen ist. Das Robert Koch-Institut beschreibt, dass ein Teil der Bevölkerung niedrige Vitamin-D-Spiegel aufweist, besonders ältere Menschen.
Über die Ernährung lässt sich nur ein kleiner Teil des Bedarfs decken. Vitamin D kommt natürlicherweise in wenigen Lebensmitteln vor. Dazu zählen fettreiche Fische wie Lachs, Hering oder Makrele. Auch Eigelb und Leber enthalten Vitamin D, allerdings in vergleichsweise geringen Mengen. Pilze können Vitamin D liefern, wenn sie UV-Licht ausgesetzt waren. Insgesamt bleibt die Ernährung jedoch eine ergänzende, keine tragende Quelle.
Wie viel Vitamin D als angemessen gilt, wird von Fachgesellschaften unterschiedlich formuliert, bewegt sich aber in ähnlichen Größenordnungen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung nennt für Kinder und Erwachsene einen Schätzwert von 20 Mikrogramm pro Tag, wenn keine körpereigene Bildung stattfindet. Diese Angabe geht davon aus, dass wenig oder keine Sonnenexposition vorhanden ist. Sie ist als Orientierungswert gedacht, nicht als tägliche Vorgabe unter allen Umständen.
Auch bei Vitamin D spielt die Frage der oberen Grenze eine Rolle. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit gibt für Erwachsene eine tolerierbare Höchstmenge von 100 Mikrogramm pro Tag an. Diese Grenze bezieht sich auf eine langfristige Zufuhr. Sehr hohe Mengen über Nahrungsergänzungsmittel können zu einer Überversorgung führen, was unter anderem den Calciumstoffwechsel stören kann. Aus diesem Grund wird Vitamin D in offiziellen Empfehlungen meist zurückhaltend behandelt.
Vitamin D wird häufig diskutiert, manchmal auch emotional. Das liegt vermutlich daran, dass es an der Schnittstelle zwischen Umwelt, Lebensstil und Gesundheit steht. Sonne, Bewegung im Freien, Ernährung, Alter – all das spielt hinein. Fachgesellschaften betrachten Vitamin D daher weniger isoliert, sondern im Zusammenhang mit allgemeinen Lebensbedingungen und Bevölkerungsgruppen, bei denen die Versorgung eingeschränkt sein kann.
Zusammenfassung
Was ist Vitamin D?
Vitamin D ist ein besonderer Nährstoff, den der Körper mit Hilfe von Sonnenlicht selbst bilden kann.
Für was ist es wichtig?
Vitamin D ist an normalen Körperfunktionen beteiligt, vor allem bei Knochen, dem Calciumstoffwechsel und dem Immunsystem.
Wie viel ist empfohlen?
Als Richtwert gelten 20 Mikrogramm pro Tag, wenn keine eigene Bildung durch Sonnenlicht stattfindet.
Was passiert bei Übermengen?
Als langfristige obere Richtmenge gelten 100 Mikrogramm pro Tag für Erwachsene.
Von wo bekommt man es?
Durch Sonnenlicht sowie aus fettreichem Fisch (z. B. Lachs, Hering), Eigelb, Leber und UV-bestrahlten Pilzen.
Quellen
(Stand: Januar 2026)
– Robert Koch-Institut (RKI): Vitamin-D-Versorgung in Deutschland
– Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE): Referenzwerte für Vitamin D
– Weltgesundheitsorganisation (WHO): Vitamin D and health
– Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Tolerable Upper Intake Level for Vitamin D
– Wikipedia (de): Vitamin D